Aus was besteht Aspartam? Drei Bausteine, ein Süßstoff

Aus was besteht Aspartam? Drei Bausteine, ein Süßstoff

Autor: David Knuffmann – Gründer von INGREO · Veröffentlicht: 10. Juli 2026 · Aktualisiert: 10. Juli 2026

Aspartam ist einer der meistuntersuchten Süßstoffe der Welt – und trotzdem rankeln sich hartnäckig Missverständnisse um seine Zusammensetzung. Aus was besteht Aspartam konkret, wie verhält es sich im Körper, und was bedeutet das für PKU-Betroffene, für Hobbybäcker und für Lebensmittelhersteller? Drei Bausteine, klare Antworten.

Kurz zusammengefasst:

Aspartam (E951) besteht aus Phenylalanin (~50 %), Asparaginsäure (~40 %) und Methanol (~10 %). Im Körper zerfällt es wieder in diese drei Ausgangsstoffe. EFSA hat den ADI-Wert von 40 mg/kg Körpergewicht zuletzt 2013 bestätigt. Für PKU-Betroffene ist Aspartam nicht geeignet – der Pflichthinweis auf der Verpackung ist EU-weit vorgeschrieben. Beim Erhitzen zerfällt Aspartam; für Heißanwendungen gibt es geeignetere Süßstoffe.

Inhaltsverzeichnis

Diese drei Bausteine stecken in Aspartam

Aspartam ist chemisch betrachtet ein Dipeptid-Methylester: der Methylester des Dipeptids L-Aspartyl-L-Phenylalanin. Hinter diesem langen Namen stecken drei vergleichsweise einfache Ausgangsverbindungen:

Baustein Anteil Natürliches Vorkommen
L-Phenylalanin ~50 % Essentielle Aminosäure, kommt in Fleisch, Eiern, Milchprodukten vor
L-Asparaginsäure ~40 % Nicht-essentielle Aminosäure, in vielen Proteinen enthalten
Methanol ~10 % Kommt in kleinen Mengen auch in Obst- und Gemüsesäften vor

Aspartam ist synthetisch hergestellt – die Ausgangsstoffe werden chemisch oder biotechnologisch zu Aspartam verbunden. Es ist kein "natürlicher Süßstoff", auch wenn seine Bausteine in der Natur vorkommen.

Entdeckt wurde Aspartam 1965 durch Zufall: Der amerikanische Chemiker James M. Schlatter arbeitete an einem Magengeschwür-Medikament und leckte versehentlich an einem bepulverten Finger – die außergewöhnliche Süße fiel ihm sofort auf. Die Verbindung wurde später als Süßstoff zugelassen und unter dem Namen E951 in die EU-Zusatzstoffverordnung aufgenommen.

So zerfällt Aspartam im Körper

Aspartam wird im Dünndarm vollständig abgebaut. Dabei entstehen die gleichen drei Ausgangsstoffe, aus denen es besteht: Phenylalanin, Asparaginsäure und Methanol. Alle drei sind Verbindungen, die der Körper über gewöhnliche Lebensmittel täglich in deutlich größeren Mengen aufnimmt als über Aspartam-gesüßte Produkte.

Zum Vergleich: Ein Glas Tomatensaft (200 ml) enthält rund 6 mg Methanol – ähnlich viel wie eine Dose Diätlimonade mit Aspartam. Phenylalanin und Asparaginsäure kommen in einem normalen Mittagessen in deutlich höheren Konzentrationen vor als in aspartamhaltigen Lebensmitteln.

Die vollständige Verstoffwechselung ist auch der Grund, warum Aspartam keinen Insulinreiz auslöst – es enthält keine verwertbaren Kohlenhydrate. Aspartam liefert formal 4 kcal/g, aber wegen der extrem kleinen Einsatzmenge (Aspartam ist ca. 200-fach süßer als Haushaltszucker) ist der Kalorienanteil in der Praxis vernachlässigbar.

E951 und ADI-Wert: Was die Zulassung bedeutet

Aspartam trägt die E-Nummer E951 und ist als Lebensmittelzusatzstoff in der EU zugelassen (Verordnung (EG) Nr. 1333/2008). Der ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) – also die Menge, die eine Person täglich lebenslang aufnehmen kann, ohne ein gesundheitliches Risiko – beträgt 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Das hat die EFSA zuletzt 2013 nach einer umfassenden Neubewertung bestätigt.

Was bedeutet das konkret? Eine 70-kg-Person müsste täglich 2.800 mg Aspartam aufnehmen, um den ADI zu erreichen. Eine Dose Diätlimonade (330 ml) enthält in der Regel 50–200 mg Aspartam – je nach Hersteller und Produkt. Um den ADI zu überschreiten, müsste ein Erwachsener also täglich viele Liter solcher Getränke trinken.

Mehr dazu, wie viel Aspartam konkret in einem der bekanntesten Diätgetränke steckt: Wie viel Aspartam ist in Cola Zero? Menge und ADI erklärt.

PKU und Aspartam: Warum der Pflichthinweis gilt

Das ist der wichtigste praktische Hinweis für einen bestimmten Personenkreis: Menschen mit Phenylketonurie (PKU) können Phenylalanin nicht abbauen. Da Aspartam zu ~50 % aus Phenylalanin besteht, ist es für sie nicht geeignet.

EU-weit gilt deshalb ein Pflichthinweis: Aspartamhaltige Produkte müssen den Vermerk "enthält eine Phenylalaninquelle" tragen. Das ist keine Warnung vor einem allgemeinen Gesundheitsrisiko, sondern ein Hinweis für die kleine Gruppe der PKU-Betroffenen.

Für alle anderen Verbraucher: Die EFSA hat in ihrer 2013-Bewertung keine Bedenken für die allgemeine Bevölkerung festgestellt, sofern der ADI-Wert eingehalten wird.

Beim Backen ungeeignet: Was Hitze mit Aspartam macht

Aspartam ist nicht hitzebeständig. Oberhalb von ca. 150 °C zerfällt die Verbindung und verliert ihre Süßkraft. Das macht es für Backanwendungen, in denen hohe Temperaturen entstehen, weniger geeignet als Alternativen wie Acesulfam-K oder Sucralose.

Für Kaltanwendungen – Joghurt, Limonade, Desserts, Pulvermischungen – funktioniert Aspartam problemlos. Auch beim Süßen von warmen Getränken (Kaffee, Tee) ist die kurze Hitzeeinwirkung in der Regel unproblematisch; anders ist es beim langen Backprozess.

Wie sich Sucralose im Vergleich verhält und für welche Anwendungen sie besser geeignet ist: Ist Sucralose gesund? Fakten und ADI-Wert. Den direkten Vergleich beider Süßstoffe – Hitze, PKU, Süßkraft – macht Sucralose vs. Aspartam.

Aspartam im Vergleich: Wann lohnt welcher Süßstoff?

Merkmal Aspartam (E951) Sucralose (E955) Acesulfam-K (E950)
Süßungskraft vs. Zucker ~200-fach ~600-fach ~200-fach
Hitzebeständig Nein (bis ~150 °C) Ja Ja
ADI-Wert 40 mg/kg KG/Tag 15 mg/kg KG/Tag 9 mg/kg KG/Tag
PKU-Einschränkung Ja Nein Nein
Typischer Einsatz Diätgetränke, Joghurt, Desserts Backen, Getränke, Süßwaren Häufig in Kombination mit Aspartam

Aspartam und Acesulfam-K werden in der Lebensmittelherstellung oft kombiniert, weil sie sich geschmacklich ergänzen: Aspartam liefert den runden, zuckerähnlichen Geschmack; Acesulfam-K setzt schneller an und ist stabiler bei Hitze.

Aspartam bei Ingreo: Rohstoff für die Lebensmittelherstellung

INGREO Rohstoff-Check

Rohstoff Aspartam (E951)
Form Feines Pulver (40–100 Mesh) oder Feines Pulver (>100 Mesh)
Typische Anwendungen Diätgetränke, Desserts, Joghurt, Pulvermischungen, Lebensmittelherstellung
Gebindegrößen 100 g bis 25 kg, Großmengen auf Anfrage
Kategorie INGREO Cook & Bake®
Spezifikation COA auf Anfrage erhältlich

Aspartam von Ingreo ist ausschließlich für die gewerbliche Weiterverarbeitung und als Rohstoff für Eigenanwendungen gedacht. Es ist in Lebensmittelqualität, COA auf Anfrage. Bestellungen ab 100 g als Kleinstmenge bis zu Großgebinden ab 25 kg für Hersteller und Lebensmittelbetriebe.

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Häufig gestellte Fragen zu Aspartam

Aus was besteht Aspartam?

Aspartam besteht aus drei Bausteinen: L-Phenylalanin (ca. 50 %), L-Asparaginsäure (ca. 40 %) und Methanol (ca. 10 %). Es ist ein synthetisch hergestellter Dipeptid-Methylester mit der E-Nummer E951.

Ist Aspartam gesundheitlich unbedenklich?

Aspartam gehört zu den meistuntersuchten Süßungsmitteln weltweit. Die EFSA hat in ihrer umfassenden Neubewertung 2013 keine Gesundheitsbedenken für die Allgemeinbevölkerung festgestellt, sofern der ADI-Wert von 40 mg/kg Körpergewicht täglich eingehalten wird. IARC hat Aspartam 2023 in die Gruppe 2B ("möglicherweise krebserregend") eingestuft – das ist eine Forschungsklassifizierung, keine Risikoaussage. EFSA und die WHO-Expertenkommission JECFA haben nach Prüfung der gleichen Daten den ADI unverändert bestätigt.

Warum ist Aspartam nicht zum Backen bei hoher Hitze geeignet?

Aspartam zerfällt oberhalb von ca. 150 °C und verliert dabei seine Süßkraft. Für Backwaren mit langer Backzeit oder hoher Temperatur sind hitzebeständige Süßstoffe wie Sucralose oder Acesulfam-K besser geeignet. Für Kaltanwendungen und kurzes Erwärmen (z.B. Kaffee) ist Aspartam problemlos einsetzbar.

Was bedeutet der PKU-Hinweis auf Aspartam-haltigen Produkten?

Phenylketonurie (PKU) ist eine angeborene Stoffwechselstörung, bei der Phenylalanin nicht abgebaut werden kann. Da Aspartam beim Verdauen Phenylalanin freisetzt, ist es für PKU-Betroffene nicht geeignet. EU-Recht schreibt den Hinweis "enthält eine Phenylalaninquelle" für alle aspartamhaltigen Produkte vor.

Wie viel Aspartam ist täglich sicher?

Der EFSA-ADI-Wert beträgt 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Für eine 70-kg-Person entspricht das 2.800 mg/Tag. Eine typische Dose Diätlimonade enthält 50–200 mg Aspartam – deutlich unter dem ADI. Allgemeine Angabe; individuelle Beratung empfohlen.

Was ist der Unterschied zwischen Aspartam und Sucralose?

Aspartam ist ca. 200-fach süßer als Zucker, nicht hitzebeständig und enthält Phenylalanin (PKU-relevant). Sucralose ist ca. 600-fach süßer, hitzebeständig und frei von Phenylalanin. Welcher Süßstoff besser passt, hängt von der Anwendung ab.

In welchen Produkten kommt Aspartam vor?

Aspartam findet sich vor allem in Diätlimonaden, Light-Joghurt, zuckerfreiem Kaugummi, Dessertpulvern und Süßungsmittel-Tabletten. Auf der Zutatenliste steht entweder "Aspartam" oder "E951".

Wie wurde Aspartam entdeckt?

Aspartam wurde 1965 durch Zufall entdeckt: Der amerikanische Chemiker James M. Schlatter experimentierte mit Aminosäure-Derivaten für ein Magengeschwür-Medikament. Als er versehentlich seine Finger an einem bepulverten Kolben leckte, bemerkte er die außergewöhnliche Süße. Die Verbindung wurde später als Süßstoff entwickelt und zugelassen.

Welche Lebensmittel konkret Aspartam enthalten und wie du E951 auf Verpackungen erkennst, zeigt der Artikel Aspartam in Lebensmitteln.

Quellen: EFSA – Scientific Opinion on Aspartam (2013), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

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