Ist Maltit krebserregend? Was wirklich dahintersteckt
Share
Autor: David Knuffmann – Gründer von INGREO · Veröffentlicht: 04. September 2026 · Aktualisiert: 04. September 2026
Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die Maltit (E965) mit Krebs in Verbindung bringt. Die EFSA prüft aktuell im Rahmen ihres routinemäßigen Neubewertungsprogramms fehlende Gentoxizitätsdaten nach modernen Testrichtlinien — das betrifft neben Maltit auch andere Zuckeralkohole wie Sorbitol und wurde für Erythritol bereits 2023 abgeschlossen, ohne dass ein Risiko festgestellt wurde.
Kurz zusammengefasst:
Für einen Zusammenhang zwischen Maltit und Krebs gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. JECFA stuft Maltit als sicher ein und verzichtet auf einen numerischen ADI-Wert, weil das Risiko so gering ist. Die EFSA fordert seit 2023 im Rahmen einer generellen Modernisierung aktualisierte Gentoxizitätsdaten für mehrere Polyole an — ein methodischer Nachbesserungsbedarf bei älteren Studien, kein neuer Verdachtsfall. Real belegt ist dagegen die abführende Wirkung ab etwa 30 bis 40 Gramm pro Tag.
Woher kommt die Sorge, Maltit könnte krebserregend sein?
Eine gezielte Recherche nach Studien, die Maltit mit Krebs in Verbindung bringen, liefert kein Ergebnis. Die Sorge scheint eher aus einer allgemeinen Skepsis gegenüber E-Nummern und Zuckeraustauschstoffen zu stammen als aus einem konkreten wissenschaftlichen Befund — ähnlich wie bei anderen Zuckeralkoholen, bei denen einzelne Blog- und Ratgeberseiten ohne Quellenbeleg zum Verzicht raten.
Was sagen EFSA und JECFA zu Maltit?
Der gemeinsame Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe von FAO und WHO (JECFA) stuft Maltit als bei normalem Verzehr sicher ein und verzichtet bewusst auf einen numerischen ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) — eine Einstufung, die JECFA nur bei nachgewiesen sehr geringem gesundheitlichem Risiko vergibt. In den USA gilt für Zuckeralkohole der GRAS-Status (Generally Recognized As Safe). Maltit ist zudem in der EU seit Jahrzehnten als Lebensmittelzusatzstoff E965 zugelassen.
Die laufende EFSA-Neubewertung: Was wird gerade geprüft?
Am 24. Januar 2023 veröffentlichte die EFSA einen "Call for Data" zu Gentoxizitätsdaten von Maltit (E965 i, ii). Grund dafür ist ausdrücklich kein neuer Verdacht, sondern ein methodisches Problem: Ein Großteil der historisch vorliegenden Gentoxizitätsstudien zu älteren Lebensmittelzusatzstoffen wurde vor Einführung der aktuellen OECD-Testrichtlinien durchgeführt — insbesondere fehlte ein zuverlässiger In-vitro-Mikronukleustest. Die EFSA fordert deshalb neue Studien zu drei Endpunkten an: Genmutation, Klastogenität und Aneugenität.
Dieselbe systematische Nachbesserung läuft parallel für weitere Zuckeralkohole — für Sorbitol (E420i) läuft ein vergleichbarer Datenaufruf, für Erythritol (E968) wurde die Neubewertung bereits 2023 abgeschlossen, ohne dass die EFSA ein Sicherheitsrisiko feststellte. Die abschließende Bewertung für Maltit war zum Zeitpunkt dieses Artikels (2026) noch nicht veröffentlicht.
Welche Nebenwirkungen sind bei Maltit real belegt?
Anders als die unbelegte Krebs-Sorge sind zwei Effekte von Maltit gut dokumentiert und deshalb auch kennzeichnungspflichtig:
- Abführende Wirkung: Ab etwa 30 bis 40 Gramm pro Tag kann es bei empfindlichen Personen zu Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall kommen — deshalb der Pflichthinweis "kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken" bei Lebensmitteln mit über 10% Zuckeralkoholanteil (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang III).
- Blutzucker-Anstieg: Maltit lässt den Blutzucker langsamer und weniger stark ansteigen als Haushaltszucker, aber stärker als andere Polyole wie Erythritol oder Xylit — ein pauschales "blutzuckerneutral" trifft auf Maltit nicht zu.
Ist Maltit trotzdem sicher in normalen Mengen?
Ja. In den in Lebensmitteln und Backwaren üblichen Mengen gilt Maltit nach Einschätzung von JECFA und EFSA als sicher — die reale Vorsichtsregel betrifft die Verzehrmenge (Abführwirkung), nicht ein Krebsrisiko. Wer empfindlich auf Zuckeralkohole reagiert, sollte die Menge langsam steigern statt große Mengen zuckerfreier Süßwaren auf einmal zu essen.
Mehr zum direkten Vergleich mit Haushaltszucker (Kalorien, glykämischer Index, Süßkraft) steht im Ratgeber Maltitol vs. Zucker, chemische Details und die vollständige Steckbrief-Übersicht im Glossar-Eintrag Maltitol (E965).
Ingreo führt Maltitol als Granulat (40 Mesh) — für Bäckerei, Süßwaren und NEM-Formulierungen, mit COA auf Anfrage, in Gebindegrößen von 100g bis 25kg.
Maltitol-Granulat von INGREO
Hier ansehenHäufig gestellte Fragen zu Maltit und Sicherheit
Ist Maltit krebserregend?
Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die einen Zusammenhang zwischen Maltit und Krebs belegt. JECFA und EFSA stufen den Stoff als sicher ein.
Warum fordert die EFSA neue Daten zu Maltit an?
Weil ältere Gentoxizitätsstudien zu vielen Lebensmittelzusatzstoffen nicht mehr den aktuellen OECD-Testrichtlinien entsprechen — das ist eine methodische Modernisierung, kein neuer Verdachtsfall, und betrifft auch andere Zuckeralkohole wie Sorbitol.
Ist Maltit gesund oder ungesund?
Weder pauschal gesund noch ungesund: Maltit ist eine Zuckeralternative mit weniger Kalorien und geringerer Wirkung auf den Blutzucker als Haushaltszucker, kann aber in größeren Mengen abführend wirken.
Wie viel Maltit ist noch unbedenklich?
JECFA verzichtet auf einen numerischen ADI-Wert, da Maltit bei normalem Verzehr als sicher gilt. Ab etwa 30 bis 40 Gramm pro Tag können bei empfindlichen Personen Verdauungsbeschwerden auftreten.
Ist Maltit das Gleiche wie Isomalt (E953)?
Nein. Beide sind Zuckeralkohole, aber chemisch unterschiedliche Stoffe mit eigenen E-Nummern — Maltit trägt die E-Nummer E965, Isomalt die E953.
Erhöht Maltit den Blutzucker?
Weniger stark und langsamer als Haushaltszucker, aber stärker als andere Polyole wie Erythritol oder Xylit — für eine strikt blutzuckerneutrale Anwendung sind andere Zuckeralkohole besser geeignet.