L-Alanin: Nicht-essentielle Aminosäure – Definition & Verwendung

L-Alanin: Nicht-essentielle Aminosäure – Definition & Verwendung

Autor: David Knuffmann – Gründer von INGREO · Veröffentlicht: 15. Juli 2026 · Aktualisiert: 15. Juli 2026

L-Alanin (auch: Alanin, alpha-Aminopropionsäure) ist eine nicht-essentielle proteinogene Aminosäure. Der Körper kann sie selbst herstellen – eine Zufuhr über die Nahrung ist deshalb nicht zwingend erforderlich. In der Lebensmittelherstellung und Nahrungsergänzung wird L-Alanin wegen seiner leicht süßlichen Note und seiner Rolle im Energiestoffwechsel eingesetzt.

Chemische Bezeichnung L-Alanin (2-Aminopropansäure)
CAS-Nummer 56-41-7
Summenformel C3H7NO2 (Molgewicht 89,09 g/mol)
E-Nummer – (keine; Aminosäuren sind keine Lebensmittelzusatzstoffe im Sinne der VO (EG) Nr. 1333/2008)
Klassifikation Nicht-essentielle proteinogene Aminosäure
Herkunft (kommerziell) Fermentativ gewonnen (aus Pyruvat durch Transaminierung)
Typische Verwendung Lebensmittelherstellung, Nahrungsergänzung, Kosmetik, B2B

L-Alanin in der Praxis: Verwendung in Lebensmitteln und Nahrungsergänzung

L-Alanin hat eine leicht süßliche Note – etwa 60–70 % der Süßkraft von Saccharose – und wird deshalb in der Lebensmittelindustrie als Geschmackskomponente eingesetzt. In Getränken, Brühen, Marinaden und Fertigprodukten verbessert es das Geschmacksprofil, ohne nennenswertem Kaloriengehalt beizutragen.

In der Nahrungsergänzung tritt L-Alanin vor allem in zwei Kontexten auf:

  • Als Einzelaminosäure in Rohstoff-Formulierungen (B2B, Hersteller von NEM)
  • Als Bestandteil von Beta-Alanin: Das Dipeptid Carnosin (Beta-Alanyl-L-Histidin) enthält Beta-Alanin, eine strukturell verwandte Verbindung – nicht L-Alanin selbst. Die beiden werden manchmal verwechselt.

In kosmetischen Formulierungen kommt L-Alanin als feuchtigkeitsbindendes Agens und Hautpflege-Komponente vor.

L-Alanin und der Energiestoffwechsel

L-Alanin spielt eine Rolle im sogenannten Glucose-Alanin-Zyklus: Im Muskel wird Pyruvat (ein Abbauprodukt der Glycolyse) durch Transaminierung in L-Alanin umgewandelt und zur Leber transportiert. Dort wird L-Alanin wieder in Pyruvat umgewandelt, das dann für die Gluconeogenese – die Neusynthese von Glucose – verwendet werden kann. Dieser Mechanismus verbindet Muskel- und Leberstoffwechsel und ist besonders bei längerer körperlicher Belastung aktiv.

L-Alanin ist außerdem Bestandteil vieler körpereigener Proteine und zählt in der Aminosäure-Zusammensetzung des menschlichen Plasmas zu den häufigsten freien Aminosäuren.

L-Alanin und Beta-Alanin: zwei unterschiedliche Aminosäuren

L-Alanin und Beta-Alanin werden in Suchanfragen und teils auch im Handel häufig verwechselt – dabei handelt es sich um zwei chemisch und funktionell unterschiedliche Stoffe.

Eigenschaft L-Alanin Beta-Alanin
Struktur Alpha-Aminosäure Beta-Aminosäure (Aminogruppe an anderer Position)
Proteinogen Ja – Baustein körpereigener Proteine Nein – kommt in Proteinen nicht vor
Hauptfunktion Energiestoffwechsel (Glucose-Alanin-Zyklus) Baustein von Carnosin im Muskelgewebe
Bekannter Nebeneffekt Keiner spezifisch Kribbeln/Parästhesie bei höheren Einzeldosen
Typischer Einsatz als Supplement Rohstoff für Lebensmittelherstellung, vereinzelt NEM Sport-Supplement, meist im Zusammenhang mit Kraftausdauer diskutiert

Ausführlich zu Dosierung und Einnahmezeitpunkt von Beta-Alanin: Beta-Alanin: Wann einnehmen?

Welche Lebensmittel enthalten L-Alanin?

Wie bei allen proteinogenen Aminosäuren hängt der L-Alanin-Gehalt eines Lebensmittels im Wesentlichen vom Proteingehalt ab. Höhere Mengen liefern:

  • Tierische Quellen: Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier und Milchprodukte – durchgehend proteinreiche Lebensmittel mit vergleichsweise hohem Alanin-Anteil.
  • Pflanzliche Quellen: Sojabohnen und andere Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide – geringere Mengen als tierische Quellen, aber bei ausreichender Gesamtproteinzufuhr in der Regel ausreichend.

Da L-Alanin nicht-essentiell ist und der Körper es zusätzlich selbst herstellen kann, ist ein Mangel über die normale Ernährung bei ausreichender Proteinzufuhr nicht zu erwarten.

Wie viel L-Alanin sollte man einnehmen – und ist das sinnvoll?

Für L-Alanin gibt es keine offizielle Verzehrempfehlung von EFSA oder DGE, anders als bei essentiellen Aminosäuren. Der Grund: Der Körper deckt seinen Bedarf über die normale Proteinzufuhr aus der Nahrung und die körpereigene Synthese aus Pyruvat. Eine gezielte Supplementierung von freiem L-Alanin hat für gesunde Menschen mit ausreichender Proteinzufuhr keine belegte zusätzliche Wirkung – anders als bei Aminosäuren mit spezifischem Einsatzgebiet wie Beta-Alanin oder BCAA. Als Rohstoff ist L-Alanin vor allem für die Lebensmittelherstellung (Geschmacksabrundung) und für individuelle Formulierungen relevant, nicht als typisches Alltags-Supplement mit eigenständigem Einnahmeprotokoll.

Nebenwirkungen und Verträglichkeit

L-Alanin gilt bei haushaltsüblichen Mengen als gut verträglich – es ist Bestandteil praktisch jeder proteinhaltigen Mahlzeit. Bei sehr hohen Einzeldosen von freiem L-Alanin sind, wie bei vielen Aminosäuren, milde Magen-Darm-Beschwerden möglich. Eine spezifische, für L-Alanin charakteristische Nebenwirkung wie das Kribbeln bei Beta-Alanin ist nicht bekannt. Menschen mit seltenen Störungen des Aminosäurestoffwechsels sollten die Einnahme individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt abklären.

L-Alanin beim Sport – was der Glucose-Alanin-Zyklus tatsächlich bedeutet

Der Glucose-Alanin-Zyklus ist bei längerer körperlicher Belastung biochemisch aktiv, das ist gut dokumentiert. Daraus lässt sich aber nicht automatisch ableiten, dass eine zusätzliche Einnahme von freiem L-Alanin die Leistungsfähigkeit verbessert: Der Zyklus läuft mit dem körpereigenen Alanin, das aus Pyruvat gebildet wird, unabhängig davon, ob zusätzlich supplementiert wird. Das unterscheidet L-Alanin deutlich von Beta-Alanin, für das ein spezifischer, auf Muskel-Carnosin gestützter Wirkmechanismus im Zusammenhang mit Kraftausdauer diskutiert wird. Wer im Sportkontext gezielt supplementieren möchte, findet den einschlägigen Mechanismus bei Beta-Alanin, nicht bei L-Alanin.

Häufig gestellte Fragen

Ist L-Alanin essentiell?
Nein. L-Alanin ist eine nicht-essentielle Aminosäure – der Körper stellt sie selbst her, hauptsächlich aus Pyruvat im Rahmen des Glucose-Alanin-Zyklus.

Ist L-Alanin ein BCAA?
Nein. Die drei BCAA (verzweigtkettige Aminosäuren) sind Leucin, Isoleucin und Valin. L-Alanin gehört strukturell und funktionell nicht dazu.

Was ist der Unterschied zwischen L-Alanin, D-Alanin und DL-Alanin?
L-Alanin ist die im menschlichen Stoffwechsel vorkommende, proteinogene Form. D-Alanin kommt vor allem in Zellwänden von Bakterien vor. DL-Alanin ist ein Gemisch (Racemat) aus beiden Formen zu gleichen Teilen, das in bestimmten industriellen Anwendungen eingesetzt wird, aber nicht mit reinem L-Alanin gleichzusetzen ist.

Ist L-Alanin vegan?
Das Ingreo-Produkt wird fermentativ und nicht aus tierischen Rohstoffen hergestellt und ist damit vegan.

Verbessert L-Alanin die sportliche Leistung wie Beta-Alanin?
Dafür gibt es keine vergleichbare Evidenz. Der ergogene Effekt von Beta-Alanin beruht auf einem spezifischen Mechanismus über Muskel-Carnosin, den L-Alanin nicht auf dieselbe Weise bedient.

Ingreo führt L-Alanin als Rohstoff in Lebensmittelqualität. COA auf Anfrage erhältlich. Verfügbar von 100 g bis 25 kg.

Zum Rohstoff: L-Alanin Pulver bei Ingreo ansehen

Quellen: EFSA – Aminosäuren als Nährstoffe (efsa.europa.eu), Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 – Lebensmittelzusatzstoffe

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